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Rohcacao und Menstruation: Was die Wissenschaft zu Magnesium & Co. sagt, warum Cacaorituale politisch sind – und wie Du sie achtsam in Deinen Zyklus einbindest.

  • 7. Aug.
  • 7 Min. Lesezeit
Warum Frauenkreise und Quere Gemeinschaftsräume eine politische Antwort auf strukturelle Einsamkeit sind

Es gibt diesen einen Moment im Zyklus, kurz bevor die Blutung einsetzt, in dem Dein Körper Dir eigentlich ziemlich unmissverständlich mitteilt: Fahr mal runter. 


Und was machen die meisten von uns? Weiterhin E-Mails beantworten, den Wocheneinkauf erledigen, Events mit Freund*innen planen, freundlich lächeln, obwohl der Unterbauch sich anfühlt wie ein Faustkampf. Das kennen wir auf jeden Fall und Du vermutlich auch.


Als Cacao zu mir (Majvi) fand, durfte ich schnell feststellen, dass er sich absolut positiv auf mein Wohlbefinden und der Verbindung zu mir auswirkt. Dass Cacao aber auch positiv auf meine Zyklusgesundheit einwirkt, das war der Sideeffekt, mit dem ich nicht direkt gerechnet habe, mich aber nur noch mehr gefesselt hat.  Und das nicht nur, weil er durch die Inhalts- und Wirkstoffe eine positive Wirkung auf meine Menstruation hatte, sondern auch, weil es mir immer wieder bewusst fünfzehn Minuten gibt, in denen ich einfach nur spüren und nach innen horchen darf, anstatt zu machen und tun.

 

In diesem Blogartikel schauen wir uns an, was die Wissenschaft zur Verbindung von Rohcacao und Menstruation zu sagen hat und warum ein bewusster Umgang mit Deinem Zyklus ein kleiner aber feiner feministischer Akt der Selbstermächtigung und -befreiung ist.



Inhaltsverzeichnis



Rohcacao ist nicht gleich Kakaopulver aus dem Supermarktregal



Cacaozeremonien und Cacaokreise

Fangen wir vorn an, denn hier herrscht oft Verwirrung. Der braune Kakao, den Du klassischerweise zum Backen nimmst oder auch die Tafel Schokolade aus dem Supermarkt, haben beide einen industriellen Verarbeitungsprozess hinter sich inklusive starker Erhitzung und Entölung. Im Zuge dieses Verarbeitungsprozesses gehen leider viele der hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe verloren. 


Ritueller Rohcacao dagegen wird schonend bei niedrigen Temperaturen verarbeitet, wodurch mehr von den ursprünglichen Nährstoffen der Kakaobohne erhalten bleibt. Oder um es einmal deutlich auf den Punkt zu bringen: Durch die industrielle Verarbeitung von Cacao werden bis zu 99% der Inhaltsstoffe zerstört. 


Und dabei haben gerade diese Inhaltsstoffe es in sich: Rohcacao zählt zu den pflanzlichen Lebensmitteln mit der höchsten Magnesiumkonzentration – schon zwei Teelöffel liefern etwa 70 mg Magnesium- fast ein Fünftel der empfohlenen Tagesdosis. Dazu kommen Eisen, Zink, Calcium und Kalium sowie Theobromin, ein sanfter, natürlicher Muntermacher, der ähnlich wie Koffein wirkt, aber gleichmäßiger und länger anhält. Ergänzt wird das Ganze durch Tryptophan, die Vorstufe des Stimmungshormons Serotonin. Wir haben also in Cacao zum einen richtig viele Mineralstoffe, die wir Periode für Periode mit dem Menstruationsblut verlieren und somit unsere Speicher direkt wieder füllen können und darüber hinaus auch noch ein paar stimmungshebende Wirkstoffe. Kein Wunder also, dass eine Tasse Cacao sich oft schlicht gut anfühlt.


Was die Forschung zu Magnesium und Menstruationsbeschwerden sagt


Es gibt keine Studie, die explizit "Rohcacao Ritual" und "Menstruationsschmerzen" untersucht. Was es aber gibt, ist eine solide und wachsende Forschungslage zu Magnesium und dem prämenstruellen Syndrom (PMS) sowie Dysmenorrhoe (Regelschmerzen). Und Magnesium ist, wie eben gezeigt, einer der Hauptakteure im Rohcacao.


Zubereitung von zeremoniellem Rohcacao

Eine 2024 veröffentlichte Studie mit 60 jungen Frauen zwischen 18 und 22 Jahren mit mittelstarken bis starken Regelschmerzen zeigt das eindrücklich: Die Teilnehmerinnen erhielten zwei Monate lang entweder eine höhere Magnesiumdosis (300 mg täglich), eine niedrigere Dosis (150 mg) oder ein Placebo. Das Ergebnis: Sowohl die niedrigere als auch die höhere Dosierung führten zu einer signifikanten Verbesserung der wahrgenommenen Regelschmerzen, wobei die höhere Dosis noch wirksamer war.


Das reiht sich ein in ältere aber ebenso relevante Befunde: In einer Untersuchung sank der Prostaglandinspiegel im Menstruationsblut bei Frauen, die Magnesium einnahmen, um mehr als die Hälfte – bei der Placebogruppe waren es lediglich rund zehn Prozent. Prostaglandine sind jene Botenstoffe, die für die krampfartigen Kontraktionen der Gebärmutter verantwortlich sind. Auch bei PMS-typischen Symptomen wie Reizbarkeit, Angstgefühlen, Wassereinlagerungen und Migräne zeigen Studien eine lindernde Wirkung durch Magnesium, insbesondere weil Magnesium den Prozess der prostaglandinbedingten Kontraktionen abmildert, ohne den Zyklus selbst zu beeinflussen.


Mehr als drei Viertel aller Frauen im gebärfähigen Alter sollen laut Schätzungen an PMS leiden, das signifikant mit einem niedrigen Magnesiumspiegel korreliert. Gerade in der Lutealphase, also den ca. 2 Wochen vor der Blutung, sinkt der Magnesiumspiegel bei vielen Frauen spürbar ab.


Eine Tasse zeremonieller Cacao ersetzt natürlich keine ärztlich begleitete Behandlung und auch keine gezielte Supplementierung, wenn Deine Beschwerden stark sind. Bei anhaltenden oder sehr intensiven Regelschmerzen gehört das immer auch ärztlich abgeklärt (um beispielsweise Erkrankungen wie Endometriose oder Adenomyose auszuschließen oder ggf. zu diagnostizieren). Was Rohcacao aber sein kann: ein schmackhafter, nährstoffreicher Baustein in einer Routine, die Deinen Körper durch die Lutealphase begleitet- bestenfalls kombiniert mit ausreichend Magnesium aus der sonstigen (vollwertigen und nährstoffreichen) Ernährung, Bewegung und Ruhe und Regeneration.


Das Cacaoritual als Akt der zyklischen Selbstbefreiung



Die Verbindung in Cacaokreisen

Die Menstruation hat eine lange Geschichte voller Scham, Kontrolle und Schweigen. Vor allem im europäischen Mittelalter verschärfte sich die Pathologisierung der Menstruation. Menstruierende Menschen galten während dieser Zeit als „krankhaft“ oder gar gefährlich. Und auch wenn sich seitdem einiges getan hat, wirkt dieses Erbe bis heute nach: In Arbeitsplätzen, die keine Rücksicht auf zyklische Schwankungen nehmen, in Krankheitsbildern wie Endometriose, die im Schnitt Jahre bis zur Diagnose brauchen, in einem Alltag, der taktet, als hätten wir alle 24/7 dieselbe Energie zur Verfügung.


Unsere Gesellschaft wurde auf Konstanz und (männliche) Linearität aufgebaut – jeden Tag gleich produktiv, gleich belastbar, gleich leistungsfähig zu sein. Wer im und mit dem eigenen Zyklus lebt, bricht dieses 24/7-Rad auf. Wissen über den eigenen Körper war historisch immer schon Macht – Unwissen hingegen hielt (und hält) Menschen in der Abhängigkeit. 


Ein Ritual, das Dich einmal im Monat dazu bringt, innezuhalten und Deinem Körper zuzuhören, ist insofern nie nur "Wellness". Es ist eine kleine, aber beharrliche Weigerung, die eigene Zyklizität als Störung zu behandeln.


Die Menstruationsaktivistin Franka Frei bringt es in ihrem Buch "Periode ist politisch" (ehrlich, wir lieben das Buch) pointiert auf den Punkt, wenn sie beschreibt, wie anders unsere Welt aussähe, hätte Gloria Steinem mit ihrem legendären Gedankenexperiment recht behalten: “Wären sichere Menstruationsprodukte frei verfügbar, wäre die Periode positiv konnotiert, wie ein roter Ferrari in der Garage, statt ein Grund zur Scham”. Ein Cacaoritual, das den eigenen Zyklus feiert, statt ihn zu verstecken, ist – so pathetisch das klingen mag – ein winziger Baustein in genau dieser Verschiebung.


Ein respektvoller Blick in die Vergangenheit: Die Wurzeln der Cacaozeremonie


Damit dieser Artikel ehrlich bleibt, gehört es auch dazu zu sagen, dass Cacaozeremonien, wie sie heute vielerorts angeboten werden, keine 1:1-Fortführung uralter Rituale sind. Cacao spielte in verschiedenen mesoamerikanischen Kulturen eine bedeutende Rolle als Getränk, Handelsgut und kulturell bedeutsames Lebensmittel. Die Maya verehrten Kakao als heilige Pflanze und nutzten Zeremonien, um Respekt und Dankbarkeit auszudrücken. Ähnlich verankerten auch die Inka und die noch ältere Olmec-Kultur Cacao in ihren Ritualen.


Was heute von vielen Spaceholdern angeboten wird, ist dagegen meist eine moderne

Cacaozeremonie

Praxis, die Elemente aus Meditation, Musik, Gespräch oder Achtsamkeit verbindet und bei der, unserer Meinung nach aus Respekt gegenüber den kulturellen Wurzeln des Cacao, nicht einfach so getan werden sollte, als sei sie automatisch identisch mit historischen Ritualen. Das ist keine Kritik am Ritual selbst, sondern ein Plädoyer für Ehrlichkeit und Respekt: Kulturelle Aneignung entsteht dort, wo Elemente indigener Kulturen ohne das notwendige Verständnis oder die nötige Anerkennung übernommen werden. Wer Cacaoräume hält, darf und sollte sich fragen, woher der eigene Cacao stammt, wer an ihm verdient und wie die eigene Praxis die Herkunft würdigt, statt sie zur hübschen aber performativen New-Age-Spiri-Handlung zu degradieren.


Rohcacao achtsam in Deinen Zyklus und Deine Menstruation integrieren


Falls Du jetzt Lust bekommen hast, Rohcacao als kleines Ritual in Deine Lutealphase oder die Tage Deiner Blutung einzubauen, hier ein paar Gedanken aus unserer eigenen Praxis:

  • Timing: Viele Frauen berichten, dass Cacao besonders in der zweiten Zyklusphase guttut – dann, wenn Energie und Stimmung ohnehin schwanken.

  • Menge: Weniger ist mehr. Eine moderate Tasse aus rohem, unverarbeitetem Cacaopulver oder Cacaopaste reicht, um in den Genuss der Inhaltsstoffe zu kommen, ohne den Kreislauf zu überreizen.

  • Raum schaffen: Nimm Dir bewusst ein paar ruhige Minuten. Kein Handy, vielleicht zündest Du Dir eine Kerze an, räucherst etwas oder genießt einfach in Stille. Der Effekt liegt nicht nur im Getränk, sondern im Innehalten und der Intention selbst.

  • Zuhören statt bewerten: Beobachte, wie sich Dein Körper an diesem Tag anfühlt, statt Dir ein Programm überzustülpen. Manchmal ist das größte Geschenk des Zyklus, dass er uns erlaubt, nicht jeden Tag gleich sein zu müssen.


Wenn Du selbst einen Raum mit Cacao halten möchtest


Cacaozeremonie halten

Vielleicht liest Du diesen Artikel nicht nur, weil Dich Rohcacao für Dich selbst interessiert,  sondern weil in Dir schon länger der Wunsch schlummert, diese Rituale auch für andere zu halten. Dieser innere Ruf ist etwas sehr Kostbares, aber er bringt auch Verantwortung mit sich: für die Menschen im Raum, für die Herkunft des Cacaos, für die Grenze zwischen echtem Halten und bloßer Inszenierung.


Genau dafür haben wir ein kostenloses Live-Webinar vorbereitet:


Vom inneren Ruf zum ersten gehaltenen Raum - 5 Grundlagen für sichere und verantwortungsvoll gehaltene Cacaozeremonien 


Für Frauen, die spüren, dass sie Cacao weitergeben möchten und verstehen wollen, was es braucht, um einen Cacaoraum sicher, klar und mit echter Verantwortung zu halten. 


📅 Donnerstag, 20. August 2026 · 12:00–13:00 Uhr oder 19:30–20:30 Uhr · online, für 0€


Wenn Du Dich darin wiedererkennst, schau gern vorbei.


Fazit: Ein Ritual, das mehr kann als schmecken


Rohcacao ist kein Zaubertrank, der Menstruationsbeschwerden verschwinden lässt. Aber er ist ein nährstoffreiches, gut erforschtes Lebensmittel mit einer beachtlichen Menge Magnesium und ganz viel erfahrener Magie, wenn wir Cacao mit offenem Herzen in unser Leben einladen. 


Vor allem aber ist Cacao ein wundervoller Anlass, Dich einmal im Zyklus (oder auch 3-,4-,5-mal) daran zu erinnern, langsamer zu werden. In einer Welt, die uns beibringt, unseren Zyklus zu ignorieren, zu unterdrücken oder zu verstecken, ist genau dieses Innehalten ein kleiner, aber feiner Akt der Befreiung und Selbstermächtigung.




Quellen


  1. Ärzte Zeitung – Magnesium gegen Menstruationssymptome: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Magnesium-gegen-Menstruationssymptome-263032.html

  2. FEMNA Health – Wie Magnesium bei Regelschmerzen helfen kann: https://femna.de/blogs/wissen/magnesium-bei-regelschmerzen

  3. Diasporal – Magnesium und PMS: https://www.diasporal.com/de/Magnesiummangel/Folgen/Magnesium-PMS

  4. Vitamindoctor – Menstruationsbeschwerden natürlich mit Mikronährstoffen lindern: https://www.vitamindoctor.com/gesund-werden/geschlechtsorgane-und-sexualitaet/menstruationsbeschwerden

  5. Helloclue – Magnesium und der Menstruationszyklus: https://helloclue.com/de/artikel/kraempfe-und-schmerzen/magnesium-und-der-menstruationszyklus

  6. Biovie – Die Vorteile von rohem Kakao: https://www.biovie.fr/de/blog/die-vorteile-von-rohem-kakao-das-superfood-der-rohkosternahrung-n274

  7. goodmoodfood – Rohkakao Inhaltsstoffe im Labortest: https://goodmood-food.de/rohkakao-inhaltsstoffe/

  8. smarticular – Rohkakao gesund: Wirkung, Inhaltsstoffe & Tipps: https://www.smarticular.net/superfood-kakao-gesund-gluecklich-magnesium-kalzium-eisen-antioxidantien-cannabis/

  9. imzyklus.at – Warum Zyklusbewusstsein ein feministischer Akt ist: https://www.imzyklus.at/2026/07/03/warum-zyklusbewusstsein-ein-feministischer-akt-ist/

  10. taz.de – „Tabuthema“ Menstruation: Nie wieder Erdbeerwoche: https://taz.de/Tabuthema-Menstruation/!5429999/

  11. Tagesspiegel – Interview mit Franka Frei: „Das Menstruationstabu ist ein Problem“: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/das-menstruationstabu-ist-ein-problem-7400206.html

  12. FU Berlin, Blog ABV Gender- & Diversitykompetenz – Das Spannungsfeld des Menstruationsdiskurses: https://blogs.fu-berlin.de/abv-gender-diversity/2025/05/26/das-spannungsfeld-des-menstruationsdiskurses/

  13. Moruga Cacao – Geschichte der Kakaozeremonie: https://morugacacao.com/blogs/kakao-zeremonie-guide/geschichte-der-kakao-zeremonie

  14. Kakao-Magazin – Die faszinierende Herkunft der Kakaozeremonie: https://www.kakao-magazin.com/herkunft-der-kakaozeremonie-die-wurzeln-des-spirituellen-rituals

  15. Kakao-Magazin – Zwischen Ritual und Skepsis: Die Kritik an der Kakaozeremonie: https://www.kakao-magazin.com/zwischen-ritual-und-skepsis-die-kritik-an-der-kakaozeremonie/


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Menstruationsbeschwerden wende Dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt Deines Vertrauens.

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