Warum Frauenkreise und queere Gemeinschaftsräume eine politische Antwort auf strukturelle Einsamkeit sind
- 21. Mai
- 8 Min. Lesezeit

Du sitzt abends auf der Couch, scrollst durch Social Media und siehst Ausschnitte aus Welten, die sich vollständig und glänzend anfühlen. Dabei ist da dieses Gefühl – schwer zu benennen, aber vertraut. Eine Art Abgeschnittenheit. Von etwas Wesentlichem, das Du kaum benennen kannst.
Dieses Gefühl hat einen Namen. Und es hat Gründe – die über persönliches Schicksal weit hinausgehen.

Einsamkeit ist kein persönliches Versagen. Sie ist politisch.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Unabhängigkeit als höchsten Wert verkauft und gleichzeitig strukturelle Bedingungen schafft, unter denen echte Verbindung kaum gedeihen kann: Prekarisierung zwingt viele zu langen Arbeitstagen, Care-Arbeit bleibt weitgehend unbezahlt und unsichtbar, Großstädte sind um Produktivität herum gebaut – nicht um Gemeinschaft.
Frauen und Menschen mit weiblicher Körpergeschichte trifft das in besonderer Weise. Sie leisten statistisch mehr unbezahlte Sorgearbeit, haben weniger Zeit für sich und stehen gleichzeitig unter dem Druck, belastbar, nahbar und fürsorglich zu sein – für alle anderen. Was bleibt für die eigene Verbindung? Oft: Social Media als Flucht.
Eine Studie der Harvard Medical School zeigt, dass rund 36 Prozent aller Erwachsenen unter schwerer Einsamkeit leiden. Diese Zahlen haben sich in den letzten Jahrzehnten verschlechtert – die Strukturen, die früher Gemeinschaft ermöglichten, wurden systematisch abgebaut: Nachbarschaft, öffentliche Plätze, Zeit. Menschen sind dabei gleich geblieben. Die Bedingungen haben sich verändert.
Social Media strukturell verschleiert
Digitale Netzwerke geben uns das Gefühl von Verbindung – und entziehen sie uns gleichzeitig. Plattformen sind darauf ausgelegt, Selbstoptimierung und Sichtbarkeit zu belohnen. Und auch wenn Social Media in den letzten Jahren authentischer und echter geworden ist, so wird Verletzlichkeit doch auch oft zum Clickbaiting instrumentalisiert. Meinungen, echte menschliche Struggles und Probleme, für die wir nicht sofort eine Antwort haben, werden oftmals mit zahlreichen Negativkommentaren bestraft. Social Media lehrt uns: Zeit zum Stolpern hast Du nicht. Wenn Du ein Problem hast, dann hab gefälligst auch sofort eine Lösung parat und teile bitte nur diese.
Das hat Konsequenzen. Wer immer nur das Glänzende zeigt lernt, das Schwierige zu verstecken. Wer das Schwierige versteckt, glaubt irgendwann, damit allein zu sein. Wer glaubt, allein damit zu sein, schämt sich. Und Scham isoliert weiter.
Dieser Kreislauf ist kein individuelles Problem. Er ist in Plattformdesign, Marktwirtschaft und kulturelle Normen eingebaut – besonders für diejenigen, die historisch gelernt haben, ihre Bedürfnisse zu minimieren.

Was Frauenkreise schon immer wussten – und warum das Wissen verloren ging
Menschen haben sich in Gemeinschaft organisiert, solange es menschliche Zivilisation gibt – aus Notwendigkeit, aus geteiltem Wissen, aus dem Verständnis, dass manche Dinge zu zweit leichter sind als allein. An Brunnen, bei der Ernte, in Geburtsräumen. Diese Zusammenkünfte waren keine sentimentalen Kaffeepausen. Sie waren Räume, in denen Wissen weitergegeben, Schmerz geteilt und kollektive Kraft organisiert wurde.
Mit der Industrialisierung, der Privatisierung des häuslichen Lebens und der Pathologisierung weiblicher Körpererfahrungen wurden diese Räume kleiner. Viele verschwanden ganz. Was als Fortschritt galt, war oft auch Verlust: von kollektivem Körperwissen, von intergenerationaler Weitergabe, von Räumen, in denen keine Leistung erbracht werden musste.
Die Sehnsucht nach Frauenkreisen und heilenden Gemeinschaftsräumen ist kein nostalgischer Rückschritt. Sie ist vielmehr eine Reaktion auf reale strukturelle Armut.
Die Wissenschaft dahinter – und warum sie politisch zu lesen ist

Die Forscherin Dr. Shelley Taylor von der UCLA hat gezeigt, dass Menschen mit weiblicher Stressbiologie auf Belastung mit "Tend and Befriend" reagieren – Fürsorge und Verbindungssuche, zusätzlich zu den bekannteren Reaktionen Kampf oder Flucht. Das Nervensystem ist darauf ausgelegt, sich in Gemeinschaft zu regulieren.
Was in (sicheren) gemeinschaftlichen Räumen physiologisch passiert: Oxytocin steigt, Cortisol sinkt, das autonome Nervensystem verschiebt sich in Richtung Ruhe und Verbindung. Chronischer Stress – der für viele Frauen und marginalisierte Menschen Dauerzustand ist – kann sich in verlässlichen Gemeinschaftsräumen auflösen.
Und auch wenn das vielleicht fast schon etwas esoterisch klingt, so ist es doch in erster Linie Neurobiologie.
Und gleichzeitig ist es politisch zu lesen: Wer keinen Zugang zu Gemeinschaft hat, trägt Stress körperlich. Soziale Isolation ist ein Gesundheitsproblem – und sie trifft nicht alle gleich.
Was echte Frauenkreise auszeichnet – jenseits von "weiblicher Energie"
Nicht jeder Frauenkreis, nicht jeder Gemeinschaftsraum hält, was er verspricht. Und

nicht jeder Raum, der sich "heilig" nennt, ist sicher.
Was einen tragfähigen Raum ausmacht, hat wenig mit Ästhetik zu tun – und viel mit Haltung:
Klare Grenzen und Kontext
Ein gut gehaltener Raum macht vorab transparent, was erwartet wird und was nicht. Körperkontakt? Rituale? Spirituelle Elemente? Ja, die Initiatorin des Raumes darf echt sein und ihren Raum füllen mit dem, was sie ausmacht und ihr wichtig ist. Aber dies auch offen und ehrlich zu kommunizieren, ist die Bedingung dafür, dass DU eine informierte Entscheidung treffen kannst. Nur wer weiß, worauf er sich einlässt, kann wirklich ankommen.
Traumasensibilität als Praxis – gelebt, nicht deklariert
Traumasensibel zu arbeiten heißt, Dynamiken zu erkennen, die Menschen aus dem Kontakt mit sich selbst werfen – und einen Rahmen zu halten, der das verhindert. Das erfordert Wissen, Erfahrung und die Bereitschaft, sich selbst dabei nicht aus dem Blick zu verlieren.
Und unpopular opinion: traumainformiertes Arbeiten und Raumhalten erfordert mehr als eine kurze Weiterbildung. Oft braucht es Jahre der Auseinandersetzung: Mit der inhaltlichen Materie, mit sich selbst und seinen eigenen Themen, Trigger und Traumata (sodass wir als Raumhalterinnen unbewusste Projektionen vermeiden) und das Sammeln von viel Erfahrung mit vielen unterschiedlichen Menschen.
Kein Guru-Modus
Raumhalter*innen, die sich als Weg-Weiser*in inszenieren, die gebraucht werden, damit Du Dich finden kannst, reproduzieren ein Abhängigkeitsverhältnis. Was wirklich trägt, ist geteilte Verantwortung und die Bereitschaft, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen. Das besondere an einem Kreis sind doch die flachen Hierarchien. Jede Kreishüterin ist automatisch auch Teilnehmerin (wenn auch sie in gewisser Weise eine Doppelrolle innehat). Eine Initiatorin, die letzten Endes nur “teach and preach” betreibt, sagt damit im Grunde: Ich bin kein Teil dieses Kreises, sondern stehe ihm vor.
Inklusion als aktive Entscheidung
Frauenkreise und Gemeinschaftsräume, die sich nicht fragen, wen sie eigentlich einladen und wen sie strukturell ausschließen – durch Preis, Sprache, kulturellen Code, körperliche Zugänglichkeit –, reproduzieren Exklusion, auch wenn ihre Intention eine andere ist.
Leider zurecht haftet Frauenkreisen das Image an, traditionelle und sehr binäre Rollenbilder zu reproduzieren. Weiblichkeit in Frauenkreisen wird oft über eine Abgrenzung definiert, was auch oftmals natürlich ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu Identifikation ist. Unserer Meinung nach führt dies aber nicht nur dazu, dass wir zum einen andere Menschen kategorisch ausschließen und damit ggf. auch jemanden in die Einsamkeit verweisen, der den Raum vielleicht dringend gebraucht hätte. Viel schwieriger daran ist, dass Weiblichkeit in Frauenkreisen in Abgrenzung zum “Männlichen” als etwas sehr Weiches, Gefühlvolles, Intuitives inszeniert wird. Und ja, das kann alles Teil DEINER Definition von Weiblichkeit oder Dir als Mensch sein, aber das muss nicht für die Person neben Dir gelten.
Wir sind große Fans davon Schutzräume zu kreieren, in denen (internalisierte) Misogynie keinen Platz hat und hinterfragt wird, in denen offen schambehaftete Themen besprochen werden können und sich mit der eigenen Identität auseinandergesetzt werden kann. Jenseits von Schubladen und Etiketten, die wir uns aufkleben unter dem Deckmantel von befreiter Weiblichkeit.
Weiblichkeit als offen, als gelebt, als vielfältig
Wer an Frauenkreisen teilnimmt, bringt die eigene Lebendigkeit mit – das eigene Körperbild, die eigene Art zu fühlen und sich zu bewegen. Queere Lebensrealitäten, trans* Erfahrungen, diverse Körper und unterschiedliche kulturelle Hintergründe bereichern einen Raum. Räume, die das nicht sehen wollen, schützen kein Wissen – sie konservieren Ausschluss und schützen das Patriarchat.
Was in Gemeinschaft passieren kann

Wir sehen es immer wieder: Menschen kommen in Räume, die wir halten, unter einer Last, die sie kaum noch benennen können. Erschöpfung. Scham. Das Gefühl, nicht ganz zu sich selbst gefunden zu haben.
Und dann – durch Anwesenheit und Verbindung, durch das schlichte Gehalten-werden verändert sich etwas. Schultern, die sich gesenkt haben. Stimmen, die wieder Raum einnehmen. Das leise Erstaunen darüber, gesehen worden zu sein und mit Themen, von denen man dachte, sie alleine zu tragen, Anklang in mindestens einer weiteren Person im Raum finden.
Das ist keine Magie. Das ist, was Gemeinschaft mit dem Nervensystem macht.
Was sich in solchen Räumen auflösen kann:
Scham, die in Isolation wächst und in Verbindung und im Gespräch ihre Kraft verliert
Das Muster, Bedürfnisse unsichtbar zu machen, um keine Last zu sein
Die Überzeugung, dass das eigene Erleben zu viel oder zu wenig oder beides gleichzeitig ist
Die Erschöpfung, immer die Starke zu sein
Was entstehen kann: Intuition, die sich wieder meldet. Verbindung zur eigenen Körperwahrheit. Der Mut, die eigene Stimme zu nutzen.
Frauenkreise als gesellschaftliche Praxis

Was in diesen Räumen passiert, bleibt nicht dort. Frauen und Menschen, die gelernt haben, sich selbst zu vertrauen und Gemeinschaft zu suchen, tragen das nach außen: in Beziehungen, in ihre Arbeit, in gesellschaftliche Räume, in die Erziehung ihrer Kinder und damit in die folgenden Generationen.
Ist dies nun einfach nur der naive Glaube an Gesellschaftswandel durch individuelle Transformation? Wir sind jeden Falls überzeugt, dass eine veränderte Haltung Kreise zieht und beeinflusst, was wir weitergeben, einfordern und sichtbar machen.
Töchter, die sehen, dass Verbundenheit kein Zeichen von Schwäche ist. Partner*innen, die plötzlich die ganze Realität eines Menschen kennenlernen dürfen (auch die mit 💩 und 🩸). Arbeitskontexte, die mehr Verletzlichkeit aushalten, weil jemand anfängt, sie zu zeigen.
Und genau hier fühlt es sich für uns nicht nach privater Naivität an, sondern nach Aktivismus und politischer Haltung.
Dein nächster Schritt

Du musst das nicht alleine herausfinden. Du musst auch nichts mitbringen, das Du nicht hast.
Wir Blutschwestern halten verschiedene Räume, die Dir genau diesen Raum zu wachsen, erforschen, sein und entdecken geben möchten– je nachdem, was Du gerade trägst, suchst oder brauchst.
Unsere Cacaokreise mit Nervensystemarbeit sind ein sanfter, körpernaher Einstieg: Cacao als Herzöffner, Gemeinschaft als Feld, Nervensystemarbeit als Anker.
Moon Yoga® verbindet den zyklischen Körper mit der Stille geteilter Praxis – Bewegung und Gemeinschaft, Raum für Dich, aber dennoch gehalten.
Du möchtest erfahren, ob Moon Yoga® die richtige Art von Yoga für Dich sein könnte? Dann probier es doch gerne 7 Tage lang aus. Ganz bei mir - unser 7-tägiger Onlineyogakurs für Frauen und Menschen mit weiblicher Körpergeschichte. Somatisch, zyklisch und perfekt für feinfühlige Person, die Yoga jenseits von Leistungsdruck und Grenzverschiebung suchen.
Unsere Tagesretreats geben Dir einen ganzen Tag: Raum für Tiefe, Verbindung und Stille, umgeben von Menschen, die dasselbe suchen.
Wenn Du nicht weißt, womit Du beginnen willst – schreib uns. Wir finden gemeinsam heraus, welcher Raum gerade zu Dir passt.
Quellen
Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. (2025): Endometriose-Forschung. Verfügbar unter: https://www.endometriose-vereinigung.de/endometriose-forschung/
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Universitätsklinikum Ulm: Hoffnung für Endometriose-Patientinnen. Neuer Verbund „HoPE" forscht ganzheitlich an gynäkologischer Erkrankung.
Apotheken Umschau (2023): Neue Endometriose-Forschung. Verfügbar unter: https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/erkrankungen-der-weiblichen-geschlechtsorgane/wie-diagnostizieren-wie-behandeln-neue-ergebnisse-der-endometriose-forschung-1013653.html
Endometriose App (2025): Endometriose besser verstehen: Neue Zellstudien machen Hoffnung. Verfügbar unter: https://endometriose.app/blog-endometriose-besser-verstehen-neue-zellstudien/
Wikipedia (2024): Endometriose. Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Endometriose
BMBF Gesundheitsforschung: ENDO-PAIN - Entschlüsselung neuer Entzündungs- und Fibrosewege zur Verbesserung der Diagnose und Therapie Endometriose-assoziierter Schmerzen.
Endometriose App (2024): Psychoneuroimmunologie: Immunsystem im Dauerstress. Verfügbar unter: https://endometriose.app/psychoneuroimmunologie-immunsystem-im-dauerstress/
Endometriose App (2024): Infektanfälligkeit bei Endometriose: Eine komplexe Verbindung zwischen Gesundheit und Immunsystem. Verfügbar unter: https://endometriose.app/infektanfaelligkeit-bei-endometriose/
Endometriose App (2023): Autoimmunerkrankungen und Endometriose: Studie belegt einen Zusammenhang. Verfügbar unter: https://endometriose.app/autoimmunerkrankungen-und-endometriose/
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Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Verdacht auf Schilddrüsenerkrankungen wende dich an einen qualifizierten Therapeutin oder Ärztin.




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